Mindmap-Erzählung:  Biblische Geschichten auswendig lernen – nicht mit mir

Mindmap-Erzählung: Biblische Geschichten auswendig lernen – nicht mit mir

Es ist Freitag.
Die Kinderbibelwoche, zu der ich eingeladen bin, ist schon wieder fast vorbei.
Bibel geschichte Katrin SchnellerEin Junge von 10 Jahren baut sich vor mir auf.
„Ja?“
„Das was du machst, könnt ich nie!“
„Was genau meinst du?“ frage ich zurück.
„Naja die ganzen Geschichten die du erzählst, dass du die alle auswendig kannst.“

Ich grinse, denn ich bin wirklich grottenschlecht im Auswendiglernen. Er ist neugierig und möchte wissen, wie ich das mache, die Geschichten so zu erzählen. Und schon sitzen wir auf den Stufen der Gemeindebühne, haben meinen Kinderwochen-Vorbereitungs-Ordner auf dem Schoß und ich erkläre ihm, wie ich es schaffe, jeden Tag eine neue Geschichte frei zu erzählen.

Dieses Erlebnis in der Art habe ich nahezu bei jedem Event, wo ich die biblische Geschichte erzähle. Mal ist es ein interessierter Junge, mal ein Mitarbeiter, mal ein kleines Mädchen mit großen Kulleraugen oder ein Teenie.

Du möchtest wissen, wie du eine Geschichte erzählen kannst,

  • ohne am Blatt zu kleben,
  • ohne in der Zeile zu verrutschen und nicht mehr zu wissen, wo du gerade bist,
  • ohne stundenlang auswendig zu lernen?

Dann ist die Mindmap-Erzählung vielleicht genau das Richtige für dich.

Die Vorbereitung zur Mindmap-Erzählung

Du wirst nicht drum herumkommen, dich mit der Geschichte auseinander zu setzen. Denn egal, ob du danach noch mit den Kids ins Gespräch kommst oder nicht, du selbst musst wissen:

  • was ist cool an der Geschichte
  • was möchte ich den Kids sagen – denke dabei immer daran nur einen Zielgedanken zu haben
  • wie ticken die Menschen in dieser Geschichte, was für Charaktere haben sie

Damit du dafür nicht ewig Zeit investierst, empfehle ich dir – falls du es noch nicht hast – das E-Paper: „Keine Zeit um den Kindergottesdienst vorzubereiten“ (KLICK) von mir. Dort erkläre ich dir kurz und bildhaft, was du tun musst, um ein Thema oder eine biblische Geschichte zu verinnerlichen.

Die Grundregel
für das Erzählen einer biblischen Geschichte

Und hier spreche ich besonders zu den Menschen, die schon immer in die Gemeinde gehen und denken, dass sie die Geschichten eh alle schon kennen. Lies die Geschichte in der Bibel. Genau! Schlag sie auf und lies sie wirklich, um noch mal zu kontrollieren, ob du sie wirklich kennst. Manchmal passieren da ganz verblüffende Sachen, z.B. man entdeckt, dass Daniel ein alter Mann war, als er in der Löwengrube war oder man stellt fest, dass die drei Weisen ja überhaupt nicht am Stall waren an der Krippe, obwohl sie jeder heutzutage zur Weihnachtskrippen-Szenerie dazustellt.

Das Erstellen der Mindmap-Erzählung

Ein Mindmap sieht meistens aus wie eine Sonne. Das ist für das biblische Geschichte erzählen sehr praktisch nutzbar, denn so kannst du als Mittelpunkt gleich festlegen, was der Zielgedanke, oder sogar nur das Zielwort der Geschichte ist. Denn um dieses Wort soll sich die gesamte Geschichte kreisen.

1. Überlege dir den Mittelpunkt der Mindmap-Erzählung

Also, bevor du loslegst und die Geschichte in Szenen teilst und so die Strahlen mit der Geschichte füllst, habe deinen Zielgedanken klar vor Augen. Beim Geschichte erzählen, geht es nie darum nur eine Geschichte zu erzählen, sondern jede Geschichte hat eine Aussage. Genieße das. Du wirst merken, wie viel wertvoller eine Geschichte wird, wenn du genau weißt, warum du die Geschichte erzählst, was du weitergeben möchtest. Du kannst dadurch so viel gewinnen, wenn du schon in der Geschichte rüberbringen kannst, was Ziel des gesamten Kindergottesdienstes ist. Und übrigens – genau so musst du nicht die Predigt oder Andacht danach starten, denn du kannst den Zielgedanken schon in die Geschichte einbauen. Eine Predigt gehört in keinen Kindergottesdienst.

2. Zerlege die Geschichte in Szenen

Du hast die Bibel vor dir? Super! Und nun gibt es erst einmal nichts weiter zu tun, als zu schauen, welche Szenen in der Geschichte vorkommen.

Hier ist eine Mindmap-Erzählung von mir.

MIndMap_Erzaehlung

Du siehst in der Mitte mein Zielwort in gelb.
In orange siehst du meinen erweiterten Zielgedanken. So habe ich das immer vor Augen und weiß, ich möchte das Wort Frieden so oft es geht benutzen.
Desweiteren möchte ich in der Erzählung meinen Zielgedanken „Verzichten, um des Friedens willen“ mindestens drei Mal in der Geschichte nutzen.
Die Geschichte kann natürlich auch einen ganz anderen Zielgedanken für dich haben. Du musst ihn nur wissen.

Das Coole an Mindmaps ist, sie zwingen dich dazu, dir die wichtigsten Schlagworte zu überlegen.

Ein Mindmap hat keine ganzen Sätze, sondern es liegt an dir, dir DAS Wort zu überlegen, um zu wissen, was du dazu sagen möchtest. Und wenn du dieses eine Wort siehst, kommt dir automatisch der Inhalt dessen, was du erzählen möchtest.
Vertrau darauf, dass das funktioniert.
Vielleicht kennst du das, jemand sagt ein Wort und dir fällt prompt eine Geschichte dazu ein. Bei meiner Mutter ist das so. Ich erzähle ihr etwas und auf einmal sagt sie: „Ach kennste schon den Witz…?“ Ein Wort – ein ganzer Witz kommt ihr ins Hirn. Und genau so funktioniert Mindmap. Ein Wort – und dir fällt die Szene oder der Inhalt ein, den du den Kids erzählen möchtest.

Ich habe es mir irgendwann angewöhnt oben rechts bei der Mindmap-Erzählung zu starten und dann gegen den Uhrzeigersinn Szene für Szene weiterzugehen und ich ende dann unten rechts. Das ist ganz allein deine Sache, wie du das machst. Du brauchst dafür auch kein Computerprogramm, so wie ich es hier nutze, sondern es reichen Zettel und Stift.

Vielleicht hast du es schon erkannt, es handelt sich bei der Geschichte um „Abraham und Lot“, bzw. um die Hirten, die sich um das Wasser streiten und dass sich dann Abraham und Lot (um des lieben Friedens willen) trennen.

Ich habe die Geschichte in 4 Szenen eingeteilt.

Mindmap-Erzählung – Nimm die Kinder in die Geschichte hinein

Bevor ich direkt in die Geschichte einsteige, überlege ich mir einen Einstieg, um die Kids abzuholen. Ich möchte ihr Gehirn aktivieren. Ich möchte, dass sie sich in die Situation hineinversetzen können. Hier ist das unter dem Strahl „Verwandtschaft“. Du siehst – ein Wort und ich weiß, was kommt. Ich frage die Kids: „Wenn jemand sagt, du bist mein Neffe, wer sagt das?“ Wenn du mit einer Frage einsteigst, dann achte darauf, dass es eine Frage ist, die auch zum Denken herausfordert. Die älteren Kinds sollten schon ein bisschen überlegen müssen, sonst schalten sie sofort ab, weil es Kindergartenkram ist.

Es ist auch nicht wichtig, dass du ihnen sagst, welche Geschichte du erzählst. Die Checker, die die Geschichten kennen, werden schon früh genug drauf kommen, bzw. je später, desto cooler ist es doch. Es macht so Spaß Geschichten zu erzählen, und die alt eingesessenen Pappenheimer kommen erst drauf, welche Geschichte es ist, wenn sie schon fast vorbei ist.

Ebenso ist in der 1. Szene mein Anliegen, den Kids zu verdeutlichen, was es damals hieß, reich zu sein. Um ihnen das klar zu machen, frage ich sie erst einmal was es so für Tiere gibt, auf dem Bauernhof. Sprich ich interagiere. Das funktioniert in fast allen Geschichten, dass du so mit den Kids ins Gespräch kommst.

  • Zachäus – Was ist ein Maulbeerbaum? Wo habt ihr die besten Kletterbäume?
  • Maria und Martha – Wer räumt von euch gerne auf? Wer kann kochen und was habt ihr schon gekocht?
  • Paulus Missionsreise – Wer hat schon einmal eine Schlage angefasst? Wer war schon im Krankenhaus?

Mindmap-Erzählung – die Dramatik

Drama_Emotion_imKindergottesdienstNun geht sie los die Geschichte. Hier ist es der Streit. In jeder Geschichte gibt es eine Dramatik. Und die musst du finden. Was ist der Konflikt? Es gibt keine Geschichte ohne Konflikt und den genieße, lebe ihn, damit jeder versteht, worum es geht. Hier ist bei mir das Schlagwort „Streit“. Mach die Augen zu und stelle dir einen Streit vor. So und nun packe diesen Streit auf die Hirten und dann erzähle oder spiele ihn, diesen Streit.

  • Maria und Josef – das Kind kommt oder sie finden keinen Ort zum Schlafen (Drama)
  • Josef und seine Träume – die neidischen Brüder (Drama)
  • Alle Wunder – was für ein Drama und am Ende, was für eine Freude

HautAb_MindMapErzaehlungAlso – suche das Drama und die Emotionen. Überlege dir die Emotionen aus einer heutigen Geschichte, die du erlebt hast und dann packe sie in deine Erzählung.
Ich steigere in dieser Geschichte übrigens das Drama, in dem ich die Kids in 2 Gruppen teile – die Lot-Hirten und die Abraham-Hirten. Dann lasse ich sie immer wieder rufen:
„Haut ab!“ und die anderen rufen zurück
„Haut ihr doch ab.“ Weiter geht’s mit:
„Pöh!“ und „Selber pöh!“
Merkst du es? Ich nutze die Worte, die ich verwenden würde, wenn ich streite. Oder eher, wenn Kinder streiten.

Mindmap-Erzählung – Wissensvermittlung

Überlege dir genau, welche Infos zum Verständnis der Geschichte notwendig sind. Heutzutage ist es nicht mehr so, dass die Älteren bestimmen dürfen. Damals war das so, also erkläre ich das. Diese Informationen sind das Salz der Geschichte. Zuviel davon, würde die Geschichte ungenießbar machen. Wenn du zu viel Infos in deine Geschichte packst, wird es langweilig.

Übe dich darin die Dialoge in der persönlichen Rede zu erzählen. Wenn du beim Erzählen leicht den Kopf hin und her drehst, je nachdem, wer spricht, geht das hervorragend. Wie das genau geht, kannst du in diesem Artikel lesen und dir auch ein entsprechendes Video von mir anschauen: KLICK HIER.

Schau selbst, wie viele Szenen es in der Geschichte gibt. Wenn eine Person an verschiedenen Orten ist, hast du schon die verschiedenen Szenen. Vielleicht beginnt auch eine neue Szene, wenn die Zeit sich ändert (es wurde Nacht) oder wenn eine Person dazukommt.

Die Schluss-Szene der Mindmap-Erzählung

Wann geht in einem Theater der Vorhang zu? Wenn das Drama gelöst ist. Wann ist ein Roman zu Ende? Wenn sich die beiden endlich in den Armen halten. Wann fängt ein neues Kapitel in der Bibel an? Wenn das Gleichnis zu Ende ist.

Warum ist das bei dir nicht so.

Wir wundern uns so oft, warum die Kids unruhig sind, nicht mehr zuhören oder hin und her hampeln. Der Grund ist: Die Geschichte ist zu Ende.

Kids interessiert keine Predigt oder eine Warum-Erklärung die nach dem Ende der Story kommt. Wenn Bartimäus jubelnd ruft: „Ich kann wieder sehen.“, dann ist die Geschichte zu Ende. Das bedeutet, dass ein neuer Programm-Punkt kommen  muss: ein Lied, ein Spiel, ein Ortswechsel zum Reden. Egal was. Aber die Geschichte ist zu Ende. Was du bist dahin nicht gesagt hast, strahlt nicht mehr. Gehört nicht zu deiner Mindmap-Sonne dazu.

Abraham und Lot entschieden sich, sich zu trennen – sie umarmen sich fett, sagen ok und dann ist die Geschichte zu Ende.

  • davor hat Lot sich vergewissert, ob er wirklich entscheiden darf
  • davor hat Abraham betont, dass er um des lieben Friedens willen, verzichtet zu entscheiden
  • davor hat man erlebt, dass die Hirten nicht friedvoll waren
  • davor habe ich eine Geschichte von mir erzählt, dass ich nicht auf alles verzichten muss, aber zum Beispiel auch teilen kann

Um Geschichten zu erzählen, musst du nicht auswendig lernen. Aber du musst wissen, worum es in der Geschichte geht und die Szenen vor Augen haben. Du musst wissen, welche Gefühle in welche Szene gehören. Und… du musst wissen, wie deine Geschichte endet. Und das, ist das einzige, was ich ab und zu auswendig lerne. Den krönenden Abschlusssatz.

Ich persönlich liebe es, das Mindmap mit Bildchen und Symbolen zu vervollkommnen.

  • Fragezeichen: Komme mit den Kids ins Gespräch
  • Glühbirne: Zielgedanke einbauen
  • Herz: Emotionen und vieles mehr…

Traust du dich eine Mindmap-Erzählung zu starten? Berichte davon in einem Kommentar.

Hier gibt es einen Freedownload (KLICK) für ein Mindmap-Programm.

Hast du sonst noch Tricks auf Lager, um die biblische Geschichte den Kids nahe zu bringen? Dann erzähl uns davon. Ich würde mich sehr darüber freuen.

Disziplin im Kindergottesdienst – was hilft gegen das Chaos

Disziplin im Kindergottesdienst – was hilft gegen das Chaos

Ein Gastartikel für uns von Annette Eichholz. Ich bin so froh, dass sie uns in das Thema „Disziplin in der Kinderkirche“ hineinnimmt.

Annette EichholzSie ist fasziniert von Kindern und findet, dass Gemeinden alles tun sollten, damit sich Kinder und Familien dort zu Hause fühlen können.
Deswegen hat sie viele Jahre lang im Kindergottesdienst mitgearbeitet. Z.Zt. organisiert sie alles, was ihre Gemeinde an besonderen Aktivitäten für Kinder plant, vom Weihnachtsmusical bis zu Legotagen, hält Schulungen und coacht einzelne Mitarbeiter.


Los geht’s 🙂

Was hilft denn wirklich gegen das Chaos im Kindergottesdienst? Fragst du dich das auch manchmal? Oder ist es dir noch nie passiert, dass sich die Kinder gegenseitig ärgern und ablenken, statt dir zuzuhören oder dass sie durch den Gruppenraum toben, statt still zu sitzen?

Falls du so etwas hin und wieder erlebst, möchte ich dir ein paar Ursachen für Disziplinschwierigkeiten aufschreiben und ein paar Tipps, die dir helfen können.

Nicht alles wird für dich passen. Such dir ein oder zwei Punkte aus und fange an, sie zu verändern.

1. Die äußeren Umstände

Euer Gruppenraum

Wenn im Raum Spielzeug liegt, werden die Kinder damit spielen. Die jüngeren werden es vielleicht auch durch den Raum werfen und sich um die Sachen streiten. Wenn es zu wenige Stühle gibt, werden sie sich um diese Plätze streiten. Wenn euer Raum zu groß ist, werden die jüngeren Kids rumrennen und die älteren werden versuchen, sich von der Gruppe abzusetzen und cool vom Rand aus zu beobachten, was die anderen machen. Und schon musst du schimpfen und ermahnen – nervig für alle!

Schau dir euren Gruppenraum mal darauf hin an. Und wenn nötig, nimm Änderungen vor. Vielleicht müsst ihr einfach mal aufräumen, vielleicht in einen anderen Raum gehen. Auf jeden Fall hilft es dir, so rechtzeitig vor dem Kindergottesdienst im Raum zu sein, dass du bei Bedarf in Ruhe lüften, Stühle stellen oder aufräumen kannst.

Technik für Licht und Ton

Wenn ihr von einer Bühne aus mit den Kindern singt und die biblische Geschichte erzählt oder vorspielt, ist für euch die Frage nach dem Einsatz von Technik wichtig. Können alle Kinder gut hören und sehen und dabei ruhig sitzen? Wenn nicht, suche dir jemanden, der dich mit Mikro und Licht versorgt.
Mikro im KindergottesdienstIhr habt noch keine Technik im Kindergottesdienst? Dann lies doch mal in den Artikel „Technik im Kindergottesdienst“ rein. Ab 25 Kinder aufwärts, ist Technik immer angebracht. 1. Um die Kids nicht anzuschreien, wenn es doch einmal grad sehr spaßig ist und 2. um schauspielerische Höchstleistungen zu bringen, denn z.B. angstvolles Flüstern ist ohne Mikro so nicht mehr möglich.
Deine Stimme wird es dir danken.

Wege und Raumwechsel

laute Kids KindergottesdienstWenn in deiner Gemeinde am Anfang des Gottesdienstes Kinder und Erwachsene zusammen sind und die Kinder dann in ihre Gruppen gehen, kann dieser Weg heikel sein. Wenn Kinder die Möglichkeit haben, irgendwo im Gemeindehaus zu verschwinden, ist auch die Aufsichtspflicht ein Problem. Und wenn der Gottesdienst ihre Geduld schon stark gefordert hat, brauchen sie vielleicht erst einmal die Möglichkeit, Spannung abzubauen, um sich dann wieder für den Kindergottesdienst konzentrieren zu können.

Checkliste:

  • Aufsichtspflicht nicht vergessen
  • für Spannungsabbau sorgen, wenn das Stillsitzen im Gottesdienst zu lang war
  • Idee: erfinde „Wegespiele“

Ferien und andere tolle Sachen

Kennst du das: Du bist am Samstag erst aus dem Urlaub zurück gekommen und bist am Sonntagmorgen zwar äußerlich im Gottesdienst, aber in Gedanken noch am Strand :-))) Den Kindern geht es genauso. Deswegen gib ihnen am Ferienanfang und am Ferienende Zeit zum Berichten und erzähle auch selbst von deinen Plänen und Erlebnissen.

Weihnachten, Ostern, Geburtstag – das alles wollen die Kinder mit dir teilen!

Aber auch an einem ganz normalen Sonntag kann es sein, dass ein Kind etwas Besonderes erlebt hat. Plane Zeit ein zum Zuhören. Dann werden die Kinder anschließend auch dir zuhören!

Jahreszeiten, Wetter und noch vieles mehr…

Wenn es heiß ist, haben die Kinder zwischendurch bestimmt mal Durst und freuen sich über etwas zu trinken. Wenn draußen ein Gewitter tobt, haben manche vielleicht Angst und andere wollen die Blitze angucken. Und im Winter haben die Jungs vielleicht schon eine spannende Schneeballschlacht hinter sich!

Solche Dinge kannst du zwar nicht beeinflussen, aber einplanen. Am besten sprichst du direkt an, was die Kinder beschäftigt und machst auch klar, wann die Zeit zum Reden und Erzählen zu Ende ist, weil dein Thema dran ist.

2. Gründe beim Mitarbeiter

Schlechte Vorbereitung führt automatisch zu Unruhe. Wenn Pausen entstehen, weil du dein Material suchen musst, werden die Kinder diese Pause füllen. Sie werden anfangen zu reden oder sich gegenseitig zu ärgern. Und schon fängst du an zu schimpfen – und die gute Laune ist dahin. Sorge also dafür, dass du alles griffbereit hast, was du während der Stunde brauchst.

Wenn du die Regeln für ein Spiel nicht kennst oder nicht weißt, wie deine Bastelarbeit richtig funktioniert, dann gibt es Diskussionen oder Streit – nervig und vor allem unnötig! Informiere dich vorher und überlege dir, welche Handlungsanweisungen die Kinder brauchen.

Wenn du spät dran bist und den Raum, die Bühne oder dein Material nicht rechtzeitig vorbereitet hast, sind die Kinder am Anfang sich selbst überlassen. Sie werden wahrscheinlich nicht ruhig auf den Stühlen sitzen und dir bei deinen Vorbereitungen zusehen, sondern spielen, rennen, Unsinn machen. Hier hilft nur eins: Früh genug kommen und fertig sein, bevor die Kinder kommen.

Wie konsequent bist du?

Konsequent sein im KindergottesdienstWenn du Konsequenzen für ein störendes Verhalten ankündigst und dann nicht umsetzt, hast du deine Autorität selbst untergraben. Überlege dir deswegen genau, ob du wirklich tun kannst, was du sagst. Oft ist es gut, zu zweit in der Gruppe zu sein. Dann kann der zweite Mitarbeiter dafür sorgen, dass sich das störende Kind wirklich auf einen anderen Platz setzt, aufhört seinen Nachbarn zu treten, seiner Nachbarin ihren Schal zurück gibt…

Wie begeistert bist du?

Wenn du nur aus Routine mitarbeitest oder weil „es sonst niemand macht“, spüren die Kinder deine mangelnde Begeisterung und haben auch keine Lust auf Kindergottesdienst.

Wenn du nervös und gereizt bist, reagierst du auch mal zu sensibel auf Dinge, die eigentlich gar keine Störung sind.

Solltest du dir gar nicht sicher sein, ob du am richtigen Platz bist, dann kannst du hier nochmal konkreter schauen, was deine Motivation ist. Wer weiß, vielleicht ist woanders ein viel besserer Platz?

9 Tipps, die dir bestimmt helfen

  • Sei liebevoll und aufmerksam.
  • Sei konsequent, bestimmt, gelassen und ruhig.
  • Begegne den Kindern mit Wertschätzung und Respekt.
  • Sei rechtzeitig im Gruppenraum, gut vorbereitet und von deinem Programm überzeugt.
  • Lerne Dinge zu ignorieren, die keine Störung sind.
  • Gestehe Fehler ein und wenn nötig: Entschuldige dich bei den Kindern.
  • Bestrafe niemals körperlich.
  • Sei bereit zu vergeben und jeden Kindergottesdienst als neue Chance zu sehen, miteinander Freude zu haben und Gott zu erleben.
  • Besprich dich mit deinem Team. Es ist wichtig, gemeinsame Regeln zu haben und möglichst einheitlich auf Störungen zu reagieren.

3. Gründe im Programm und im Aufbau der Stunde

Überlege bei der Vorbereitung, an welchen Punkten Unruhe entstehen kann. Hier sind vor allem Anfang und Schluss der einzelnen Programmelemente wichtig.

Ein Anfang, der die Kinder neugierig macht

Damit dir so ein Start gelingt ist es gut, wenn die biblische Geschichte einen spannenden Anfang hat, die Beschreibung für das nächste Spiel witzig und cool klingt, die Bastelarbeit toll aussieht… Deswegen lohnt es sich, dass du dir bei der Vorbereitung gute Formulierungen dafür überlegst.

Ein Ende, das die Kinder zufrieden macht

Und am Schluss der einzelnen Programmpunkte gibt es auch einiges zu bedenken:

  • Nach einer spannenden Geschichte brauchen die Kinder vielleicht einen Moment Zeit, um wieder in der Realität anzukommen. Gib ihnen diese Zeit z.B. durch ein gemeinsames Lied, ein Gebet…
  • Am Ende eines Spieles kann es Konflikte geben zwischen Siegern und Verlierern oder Diskussionen, wenn es scheinbar nicht gerecht zuging. Hier bist du als Schlichter gefragt.
  • Beim Basteln sind immer einige Kinder schneller fertig als andere. Hier brauchst du einen Plan, wie sie die Wartezeit ausfüllen können, bis alle fertig sind und es gemeinsam weiter geht.

Deine Dramaturgie

altersgemäßer KindergottesdienstIst das, was du mit den Kindern machst, ihrem Alter angemessen? Unter- und Überforderung nimmt ihnen die Motivation zum Mitmachen.

Gibt es in deinem Programm einen Wechsel von Spannung und Entspannung, laut und leise, gemeinsamem Tun und Einzelarbeit, sitzen und Bewegung, hören und Tun? Das hilft den Kindern, innerlich mitzugehen und äußerlich ruhig zu bleiben.

Viele praktische Tipps, wie du ein Programm spannend gestalten kannst, findest du hier.

Plan B für unvorhergesehene Notfälle

Hast du Alternativen parat, wenn die Kinder etwas überhaupt nicht interessant finden, wenn die Gruppe viel größer oder kleiner ist als erwartet oder der Gottesdienst mal wieder länger dauert als üblich? Überlege dir doch mal ein oder zwei Spiele, Lieder und Bastelideen für solche Situationen und besorge dir das Material dafür. Wenn du diese Sachen immer als Reserve dabei hast, muss dich nichts Unvorhergesehenes mehr verunsichern. Du bist ja vorbereitet!

Spezialfall Familiengottesdienst

Ein Familiengottesdienst ist eine besonders tolle Sache, aber auch eine besondere Herausforderung. Hier findest du viele Tipps dafür.

4. Ursachen beim Kind

  • AD(H)S, Hochbegabung, Lernschwierigkeiten, Autismus, all das macht Kindern und Erwachsenen oft das Leben schwer. Vieles davon ist mittlerweile gut erforscht und es kann dir helfen, wenn du dich darüber informierst. Aber beeinflussen kannst du das alles natürlich nicht.
  • Auch die Situation des Kindes in seiner Familie und in der Schule hat Auswirkungen auf sein Verhalten im Kindergottesdienst. Das ist ein eigenes, sehr umfangreiches Thema.
  • Manchmal führen diese Ursachen dazu, dass Kinder einfach mit mitmachen (können) bei dem, was du geplant hast. Hilfen für solche Situationen findest du hier im Artikel über „Wenn Kinder verweigern“.

5. Geistliche Ursachen

Kindergottesdienst ist Verkündigung von Gottes Wort. Deswegen lohnt es sich, dafür zu sorgen, dass jedes Kind ungestört zuhören und Gott begegnen kann.

Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass Verkündigung immer angefochten ist.

Und deswegen mein letzter Tipp:

Bete für die Kinder und den Kindergottesdienst.

Gott ist kein Gott der Unordnung, sondern des Friedens (1. Kor. 14,33). Unordnung zu machen, das kriegen wir Menschen hin. Frieden kann nur Gott schaffen. Und er will zu den Kindern reden – durch dich!!! Ist das nicht super?