Euer passendes Konzept für den Kindergottesdienst – Teil 1 – WER

Euer passendes Konzept für den Kindergottesdienst – Teil 1 – WER

Irgendwie hat da was nicht hingehauen. Im Januar 2017 haben wir mit einem neuen Konzept im Kindergottesdienst gestartet. Ich fand’s super durchdacht und versprach mir, dass die Gemeinde sicher nun mitbekommt, wie toll die Kindergottesdienste sind und was sich alles verändert und wie er wächst und auch wie die Mitarbeiterschar wächst.

  • Die Kindergottesdienste sind toll – natürlich, es geht immer optimierter.
  • Es kommen immer mehr Kids.
  • Es kommt gutes Elternfeedback.

Doch es kamen nicht die Mitarbeiter, die ich mir gewünscht habe und die brauche ich als Kindergottesdienstleiterin, damit das Konzept funktioniert.

Mein Wunsch-Kindergottesdienstmitarbeiter ist nämlich folgender:

Jan, Paul und Steffen – 3 Mitarbeiter auf unserer Freizeit – Wunschmitarbeiter 🙂

  • 20-30-Jährige,
  • der Zeit hat,
  • keinen Partner,
  • keine Kinder hat,
  • natürlich super Erfahrung hat im Kinderbereich,
  • ein sprühendes Herz für Kinder hat. Und davon sollten sich dann, weil der Kindergottesdienst ja so toll ist (das ist er!) automatisch 3-5 Leute finden.

Nach wie vor bin ich davon überzeugt, wenn es solche Leute in unserer Gemeinde geben würde, dann wären sie bei uns im Kindergottesdienst. Aber sie gibt es nicht. Und wenn es sie gibt, bekommen sie nichts vom Kindergottesdienst mit, also auch nicht, wie toll es da ist. Also können sie auch nicht automatisch zu uns stoßen. Des Weiteren verließen uns jetzt sogar die alten Hasen. (PS: natürlich gibt es auch 15-Jährige oder 60-Jährige die einen hervorragenden Job im Kigo machen)

Selbst Schuld Katrin, kann ich mir jetzt sagen, denn ich vertrete die Meinung: „Arbeite dort mit, wo dein Herz schlägt.“ Und diese Leute, hatten mitgearbeitet, weil ihre Kinder dort sind und sie wollen, dass sie Kindergottesdienst haben, oder weil es ja sonst keiner macht. Ja durchaus mit Herz, aber halt nicht ganz.

Doch es starteten Teens als Mitarbeiter.

Tja, aber unser Konzept in dieser Altersgruppe sah vor:

  • Plenum mit Spiel, Musik, Geschichte und danach
  • Kleingruppe mit Gespräch, Vertiefung, Spiel dazu, Basteln, je nachdem, was einem liegt.

Wir haben auch die Räume dazu. Doch was ich weiß, ist, dass selbst unsere gestandenen Mitarbeiter es nicht so einfach hatten in ihrer Kleingruppe. Es gibt einfach sehr besondere Kids und junge neue unerfahrene Mitarbeiter in so eine Kleingruppe zu stecken, das würde niemanden glücklich machen. Trotz guten Materials finde ich es verantwortungslos, denn es braucht Schulung, Erfahrung und auch pädagogisches Verständnis, um eine glückliche Kleingruppenzeit zu haben.

Was ich dir sagen möchte:

Ein noch so gutes Konzept funktioniert nicht, wenn es nicht die passenden Mitarbeiter dafür gibt.

Deswegen schaut zuerst auf das:

  • WER ist denn bei uns im Team?
  • Wen haben wir als Mitarbeiter, um einen für uns passenden Kindergottesdienst zu gestalten?

Ich sage auch gern – Mut zur Lücke. Wenn niemand da ist, der mit den Kindern Musik macht, ihr aber dafür jemand habt, der sich tolle Spiele ausdenken kann, dabei die Kids motiviert und sogar noch das Thema da mit reinflechtet, dann spielt lieber mehr. Es gibt kein richtig und falsch in der Kindergottesdienstgestaltung.

Ich möchte euch in den nächsten Wochen ein Schaubild vorstellen, wo ich gemerkt habe, dass das genau das ist, wie ich meine Arbeit mit Kindern lebe.

Konzept-Zirkel für den Kindergottesdienst „Wer“

Hier in dem Artikel starten wir mit dem „WER“ im Schaubild.
Das ist das, wo wir als erstes schauen müssen: Wen haben wir denn in unserem Team und wie sind die Fähigkeiten, die Vorlieben, bzw. wie wir in unserer christlichen Welt gern sagen: was sind die Gaben.

Für die ganz Neugierigen unter euch hier nun, wie es bei uns im Kindergottesdienst weiter?

  • Wir haben nun die Kleingruppenphase in unterschiedlichen Räumen mit den unterschiedlichen Programm punkten gekippt.
  • Wir bleiben in EINEM Raum, und jeder Teenie bekommt jeweils auf einem Teppich sitzend eine Kleingruppe. Dort findet das Gespräch statt. Die Teens bekommen von mir vorbereitete Fragen und ich frage sie vorher, ob sie damit klarkommen. Dadurch sind die Kleingruppen kleiner – meist nur 4-6 Kids.
  • Sie bekommen immer eine Kreativmöglichkeit von mir mit, um das Gespräch innovativ zu gestalten. Meist greife ich dabei auf Utensilien aus dem Kleingruppengesprächskoffer zurück.
  • Diese Zeit geht dann nur 10 Minuten.
  • Danach kommen wir wieder zusammen, und es wird nochmal das Thema aufgegriffen. Was habt ihr herausgefunden? Es wird gemeinsam eine Schatzkiste geöffnet, die einen Hinweis dazugibt, wie es nun weitergeht. Gemeinsam wird dann noch etwas gespielt oder gebastelt.

Der Vorteil dabei ist nun, ich habe den Blick auf alle Kids. Unsere besonderen Pappenheimer, tanzen den Teens nicht auf der Nase rum und wenn was ist, bin ich direkt da.

Wichtig finde ich, dass wir danach noch kurz als Mitarbeiter zusammen sitzen. Wie war’s? Was hat funktioniert und was nicht? Warum, hat es nicht funktioniert. Und so habe ich die Möglichkeit, Stück für Stück kleine Impulse zu setzen, dass sie selbst Dinge entdecken und lernen und meine Hoffnung ist, dass wir dann in ein paar Jahren viele 20-30-Jährigen Kindergottesdienstmitarbeiter haben.

Doppeltes PS: Ich finde alle anderen Mitarbeiter, seien es Mamas oder Papas, ältere Leute, Leute im Mittelalter, die im Kindergottesdienst mit dabei sind super! Danke für euer Engagement. Ihr seid genauso wertvoll.

Und hier die Artikel die zu dieser Reihe noch dazugehören.

10 Tipps, damit sich Kinder im Kindergottesdienst wohlfühlen

10 Tipps, damit sich Kinder im Kindergottesdienst wohlfühlen

Ab und zu passiert es, dass ein Vater oder eine Mutter zu mir kommt und sagt, dass sich ihr Sohn oder ihre Tochter im Kindergottesdienst nicht so wohlfühlt. Sie waren noch nicht so oft da und das Kind traut sich nicht wirklich rein.

Das ist natürlich Mist für alle und gemeinsam schauen wir dann, woran es liegt und was wir tun können, damit sich da etwas ändert.

Heute möchte ich euch 10 Tipps geben, damit sich deine Kids – insbesondere neue Kids – in der Kinderkirche wohlfühlen.

Tipp 1 – Das Tempo des Kindes

Jedes Kind ist anders. Jedes Kind braucht etwas anderes. Ganz bewusst haben wir in meiner Gemeinde z.B. den Wechsel der Kindergottesdienstgruppe – wo das Kind mit einem Elternteil ist – zu der Gruppe ohne Elternteil, flexibel gestaltet. Wir haben eine Gruppe für die 0 bis ca. 4- bis 5-Jährigen und die nächste Gruppe startet dann für die ca. 4- bis-Jährigen. Manche Kinder freuen sich einfach darauf und genießen es „groß“ zu sein und allein in eine Gruppe zu gehen. Andere Kids wiederum genießen die Zeit gemeinsam den Kindergottesdienst mit Mama oder Papa zu genießen. Beides sind total berechtigte Dinge. Erzwingt nichts. Weder du, noch die Eltern. Davon hat niemand etwas.

 

Tipp 2 – Nicht persönlich nehmen

Natürlich kenne ich dich nicht, aber tendenziell sage ich dir, es hat nichts mit dir zu tun, wenn es am Anfang Tränen gibt, weil das Kind nicht im Kindergottesdienst bleiben möchte. Es gibt viele verschiedene Gründe, warum Kinder am Anfang nicht die glücklichsten sind, wenn sie in den Kindergottesdienst gehen sollen und die Eltern sie dort lassen.

Tipp 3 – Nimm dir Zeit für die Eltern

Gerade weil du es nicht persönlich nehmen darfst, sondern jedes Kind individuell ist, ist es umso wichtiger, dass du das Gespräch mit den Eltern suchst. Sie kennen ihr Kind, sie wissen, was es braucht. Dort gilt es eine vertrauensvolle Basis, eine gleichberechtigte Basis zu bauen. Hab wirkliches Interesse daran, was sie zu sagen haben. Rede dabei positiv von dem Kind. Ihr seid keine Konkurrenten, sondern wir wollen doch alle das gleiche – das das Kind eine gute Zeit in der Kinderkirche hat und du auch. Und die Eltern können sicher auch ihren Gottesdienst besser genießen, wenn sie wissen, ihr Kind ist glücklich im Kindergottesdienst.

Beim Zeit nehmen für die Eltern spielt ebenso mit rein, dass es viele Eltern wirklich interessiert, was ihr Kind macht. Ja, ich weiß, wir als Kindergottesdienstmitarbeiter haben oft das Gefühl, dass die Eltern einfach nur froh sind, dass sie ihr Kind mal eine Stunde abgeben können. Aber ganz ehrlich, glaubst du das wirklich?

 

 

Kurzer Impuls für dich zum Drübernachdenken

 

  • Was strahlst du aus?
  • Gehst du positiv offensiv auf die Eltern zu?
  • Müssen die Eltern „Angst“ haben, dass, wenn du mit ihnen redest es eh nur darum geht, dass du Hilfe brauchst oder was ihr Kind „verbrochen“ hat.

 

Tipp 4 – Nimm dir Zeit für ein neues Kind

Ich hoffe, du bekommst es mit, wenn ein neues Kind kommt. Wir haben uns angewöhnt, dass am Start ein Mitarbeiter nur für die Begrüßung an der Tür zuständig ist. Oft ist das auch ein Teenie-Mitarbeiter, die machen das echt gern. Sie suchen bewusst den Kontakt zu dem neuen Kind.

  • Hallo, wie heißt du?
  • Guck mal hier, sind unsere Teppiche, wo die 2 unterschiedlichen Gruppen drauf sind. Wie alt bist du? Dann darfst du hier auf diesem Teppich sitzen.

Einfache Smalltalkfragen oder auch Dinge zum Erklären. Wenn Eltern frage, ob sie am Anfang mit drin bleiben können sagen wir „ja“. Denn es ist nicht nur für das Kind wichtig, dass es weiß, was abgeht, sondern auch Eltern brauchen eine Sicherheit, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.

 

Tipp 5 – Fördere Kontakt zu Gleichaltrigen

In vielen Kindergottesdienstgruppen sind Kids aus verschiedenen Altersgruppen in einer Gruppe. Du hast es gerade schon gelesen: bei uns gibt es Teppiche, wo die Kids altersmäßig drauf sitzen. Später gibt es nochmal alterspezifischere Kleingruppen. Wenn du deine Kids kennst, dann weißt du auch, welches Kind dafür offen ist, schnell Kontakt zu neuen Kids aufzubauen. Wenn du mit dem neuen Kind hingeht und sagt: „Guck mal, das ist die Lena, sie ist neu hier.“ finden Kids da sehr schnell eine gemeinsame Basis. Kinder sind offen für neue Kinder. Wenn du das „richtige“ Kind rauspickst, fängt es gleich an mit dem neuen Kind zu quatschen. Doch meist musst du den kleinen Anstoß geben.

Manche meinen, dass man ältere Kids dafür nehmen sollte. Ja, das geht auch, ich persönlich finde gleiches Alter besser. Denn auch 5-Jährige haben es super drauf und sind total schnell Freunde. Und genau darum geht es doch bei uns allen. Ich fühle mich dort wohl, wo ich meine Freunde habe. Ja, es gibt Mädchen, die dann gern auf so kleine Kinder aufpassen, sie betüdeln und an die Hand nehmen, doch manche Kinder wollen das gar nicht und was ist mit denen? Doch Freunde haben, das tut jedem gut und ist meist die Grundlage des Wohlfühlens.

 

Tipp 6 – Kenne den Namen des Kindes

Ja, ich weiß, manche von euch sehen die Kids vielleicht nur einmal im Monat. Ja ich weiß, du hast ein sauschlechtes Namensgedächtnis. Egal. Was du verändern kannst in dem Herzen eines Kindes, wenn du den Namen weißt und es mit Namen ansprechen kannst – Hammer. Ich weiß nicht, wie groß deine Kindergottesdienstgruppe ist. Egal. Genau aus dem Grund gibt es bei uns fast immer eine unterschiedliche Art und Weise der Anwesenheitsliste. Sie es dass jedes Kind etwas zum Thema sagt und dabei seinen Namen. Wir machen am Start ein Spiel, wo das Kind seinen Namen sagen darf, so lernen auch gleich neue Kinder die Namen der anderen Kinder. Wir nutzen dafür intensiv auch den Kleingruppengesprächskoffer.

Wenn der Kindergottesdienst vorbei ist, gehe ich innerlich noch einmal den Kreis durch, wer da saß, wie das Kind hieß, um die Namen zu verinnerlichen. Diese 5 Minuten nehme ich mir

 

Tipp 7 – Das Kind zu den Eltern bringen

Ich habe ja schon geschrieben, dass wir dort mehrere Gruppen haben – uns auch ganz bewusst für eine Gruppe mit Elternteil entschieden haben. Doch ich weiß, das ist nicht überall so. Wenn das Kind nicht aufhört zu weinen, dann bringe es zu den Eltern. Niemand hat etwas davon, wenn das Kind am Heulen ist.

  • Das Kind: es wird es nur umso schwerer haben, Kindergottesdienst irgendwann doch positiv zu verankern. Obwohl es vielleicht 2-3 Monate soweit wäre
  • Die anderen Kinder: natürlich macht es auch etwas mit den anderen Kindern. Außerdem ist die Aufmerksamkeit nur auf diesem einen Kind. Du wirst das, was du eigentlich machen möchtest nicht machen können
  • Du, der Mitarbeiter: nochmal, in den wenigsten Fällen liegt es an dir. Kläre vorher, denn du bekommst ja mit, dass das Kind weint, wenn die Eltern es bringen, wie der Vorgang sein soll. Schlage den Eltern etwas vor, wie z.B. wenn er in 10 Minuten noch weint, bringen wir ihn selbstverständlich zu euch. Das sollte nicht drohend kommen, sondern einfach dem Kind zugewandt.
  • Die Eltern: sie sind dankbar, wenn sie wissen, unser Kind wird hier nicht heulend vergammeln. Jeder hat etwas davon, wenn klar ist, was passiert, wenn das Kind sich nicht beruhigt.

Für das Kind ist es wichtig, die Erfahrung zu machen, dass die Eltern in der Nähe sind.

 

Tipp 8 – Eltern dürfen beim ersten Mal dabei sein

Das hat nichts mit Kontrolle zu tun, sondern mit Sicherheit. Sicherheit für das Kind und für die Eltern. Es hat auch etwas mit Vertrauen zu tun. Du vertraust, wenn die Eltern fragen, ob sie am Anfang mit drin bleiben dürfen, dass sie ihr Kind am besten kennen. Es ist immer ein viel besserer Start, wenn du auf diese Frage mit einem „na klar“ antwortest, als wenn du sagst „naja eigentlich nicht“ oder ähnliches. Euer Startschuss wird ein besserer sein, denn du signalisierst Wohlwollen.

 

Tipp 9 – Sei nicht so streng

Ich sage das immer wieder in meinen Schulungen. Es geht darum, dass die Kids sich bei uns in der Gemeinde wohlfühlen. Es herrscht schon genug Leistungszwang und Druck. „Stell dich nicht so an“ oder „Die anderen weinen doch auch nicht“ oder „nimm dir ein Beispiel an …“ haben für mich im Kindergottesdienst nichts zu suchen. Das heißt nicht, dass du nicht konsequent sein musst. Damit der Kindergottesdienst funktioniert, ist konsequentes Auftreten das Fundament – immer mehr, wie ich finde. Das gibt den Kids klare Orientierung.

 

Tipp 10 – Lache viel

Was gibt es Schöneres, als an einem Ort zu sein, wo man Freunde hat und wo man lacht. Ich kenne keinen. Und genau so einen Ort wünsche ich mir, soll der Kindergottesdienst sein. Kinder kommen gerne, wenn sie wissen, dort geht es fröhlich zu, dort ist es spannend. Ich merke immer wieder, gerade wenn ich über mich selbst lache, weil ich z.B. in der Geschichte, die ich erzähle etwa versemmel, dann lockert das ungemein die Stimmung auf. Kinder lachen viel mehr als Erwachsene und da sollten wir uns ihnen annähern.

 Anton Tschechow hat mal gesagt:

„Am liebsten erinnern sich die Frauen an die Männer, mit denen sie lachen konnten.“

Ich glaube, bei Kinder ist das auch so. Also lasst uns lachen und uns so in unseren Kindergottesdiensten wohlfühlen.