Hosentaschensatz

Der Hosentaschensatz – wie ich wirklich erfahre, was die Kinder bewegt

In Alltag im Kindergottesdienst, Bausteine für den Kindergottesdienst by KSchneller2 Comments

Kinder sind alle unterschiedlich und das ist super.

Manche reden und reden und reden und wissen zu allem eine Antwort, eine Geschichte oder eine Lösung. Oft ist es auch egal, ob es etwas mit dem Thema zu tun hat, warum es gerade geht. Du erzählst die Geschichte von Zachäus, wie er auf den Maulbeerbaum stieg und schon fängt ein kleiner süßer Mund an zu reden: „Auf dem Schulweg neulich habe ich einen Baum gesehen, da hat ein Hund rangemacht und der war ganz schön groß und als er ….“ und so weiter und so fort.

Andere scheinen überhaupt nicht anwesend zu sein, sie starren sonst wohin, träumen durch die Gegend, sagen auch nichts. Immerhin stören sie nicht.

Wieder andere machen Geräusche – egal ob mit Händen, Mund, dem Stuhl oder was auch immer greifbar ist. Ab und zu kommt noch ein Kommentar, der dir verdeutlicht wie blöd doch alles ist, oder langweilig. Total motivierend.

Dann gibt es die, die immer die richtige Antwort haben. Jedenfalls die, die ihnen schon immer so beigebracht worden ist. Das Standardbeispiel ist: „Was hüpft von Baum zu Baum, Kinder?“ Die Antwort: „Jesus.“ Es sind auswendig gelernte Floskeln. Meistens strahlen dich diese Kids an, klimpern mit ihren Augenwimpern und wollen gelobt werden.

Ja, das sind alles nur Klischees, aber wozu gibt es die, wenn nicht so viel Wahrheit darin wäre.

Doch ich möchte wissen, was wirklich in den Köpfen der Kids vorgeht.

Du auch?
Kindergottesdienst-Coach

Was denken sie? Was fühlen sie? Was ist ihnen wichtig? Was geht in ihnen wirklich vor, wenn du mit ihnen zusammen bist und dein „Thema“ hältst?

Eine Methode, die ich total genial finde, um

  1. mich selbst zu reflektieren, was bei den Kids angekommen ist
  2. zu erfahren, was die Kids gerade und zu dem Thema bewegt
  3. in ein persönliches Gespräch zu kommen
  4. die Kids zum eigenen Denken zu animieren
    ist der
„Hosentaschensatz“.

Klingt cool. Ist cool.

Das Katrin Schneller S

Doch wie kommt es zu dem Wort ``Hosentaschensatz``?

Ein Hosentaschensatz besteht aus 5 Wörtern (nicht mehr und nicht weniger). Das liegt daran, weil die Hand 5 Finger hat und jeder Finger für ein Wort steht.
Diesen Satz kann jeder „nehmen“ und als Faust in die Hosentasche stecken. Dort ist er drin und geht nie wieder verloren und wir können uns immer dran erinnern, was jedem von uns gerade wichtig ist.

Der Hosentaschensatz lebt davon, dass er nicht aufgezwungen wird. Die Zielgruppe sind Schulkinder.

 Meine liebste Taktik in der Kinderkirchen-Zeit zum Gebrauch des Hosentaschensatzes ist folgende:

Das Thema ist so weit durch, das bedeutet, wir haben gesungen, wir haben die Geschichte erlebt, wir haben darüber geredet. Nun, wenn die Kids den Hosentaschensatz noch nicht kennen, erkläre ich erst einmal wie er funktioniert.

Dabei ist nicht zu vergessen:

  1. Jeder hat Zeit bis er SEINEN Hosentaschensatz hat, das heißt jeder überlegt für sich und leise.
  2. Die, die nach 2 Sekunden ihren Satz haben (und auch erzählen, „ich hab schon 2 oder 10 Sätze“), dürfen diesen NICHT sagen, solange nicht alle ihren Satz im Kopf haben. Der Effekt dabei ist schon mal eine enorme Spannungssteigerung, da es wie ein Geheimnis ist, welches jeder hat.
  3. Mach‘ den Kids klar, dass es bei dem Satz, den sie sich überlegen sollen, darum geht, was ihnen in „DIESEM MOMENT“ wichtig ist.Die Frage ist, was nimmt jeder für sich HEUTE mit. Dabei zeige ihnen ruhig, wie das geht. Streck‘ die Hand hoch mit den 5 Fingern und balle sie zu einer Faust und stecke sie in deine Hosentasche, damit der Satz dort ganz sicher ist und nicht verloren geht. Die Kids sollen begreifen, dass sie dort so etwas wie einen Schatz in ihre Hosentasche stecken.

Was sollte für dich als Hintergrundinfo zu diesem Hosentaschensatz wichtig sein:

 

Dieser Satz hat keinen Zielgedanken.
Versuche die Kids nicht im Vorfeld, wenn du sagst „nun kommt der Hosentaschensatz“ in eine Richtung zu drängen, die sie dort sagen sollen. Damit ist niemanden geholfen, schließlich möchtest du ja wirklich wissen, was in ihnen vorgeht und was sie denken. Das schaffst du, in dem du keine Thema-relevanten Beispiele bringst. Wenn die Kids es nicht verstehen, dann sage als Beispiel so etwas wie (dabei Hand nach oben und bei jedem Wort einen Finger dazu): „Meine Schuhe sind heute rot.“

Es kommt nicht darauf an, dass die Kids, dass, was heute war, verstanden haben, dein Zielgedanken auswendig können, sondern, dass sie für heute etwas mitgenommen haben, was sie sich durch diesen Satz konkret überlegen sollen. Und ja, sie sollen die Freiheit haben, selbst zu überlegen, was genau das heute ist.

Wie geht’s nun weiter, wenn alle ihren Hosentaschensatz haben?

  1. Sei gnädig, falls es doch mal ein Satz mit 4 oder 7 Wörtern ist und „zaubere“ einfach einen Finger dazu.
  2. Jeder der möchte, darf diesen Satz sagen.
  3. Mache diese Zeit zu einer besonderen Zeit mit diesem Kind.

Wie funktioniert das?

  1. Verstärke den Satz positiv. Es gibt nur ganz, ganz wenige Beispiele für Sätze, wo ich sagen würde, der ist aber nicht so schön, aber selbst da gilt es zu fragen, wie das Kind auf diesen Satz kommt.

Es gibt kein Richtig oder Falsch bei dem Satz, denn du weißt: das Ziel ist bei dem Satz zu erfahren, was die Kids wirklich denken oder mitgenommen haben, bzw. bewegt.

  1. Frage nach, wie das Kind es meint. Stelle dabei offene Fragen, das bedeutet keine Fragen, wo das Kind nur mit Ja oder Nein antworten kann.
Ein Beispiel:

LiebeDer Satz ist „Gott hat mich sehr lieb“. Ja, sowas freut einen als Mitarbeiter natürlich, wenn das gesagt wird, aber denk‘ dran, du möchtest hinter die Kulisse schauen. Die Frage von dir: „Denkst du Gott hat alle Menschen lieb?“ oder „Findest du schön, dass es so ist?“, sind nett, aber werden dir nicht helfen, um tiefer zu gehen.

Stelle „W-Fragen“ (wie, was, wo, warum, weshalb).

Zum Beispiel: „Wieso findest du, dass Gott dich lieb hat?“, „Wo hast du das schon einmal erlebt?“ „Wie kommst du auf diesen Satz?“

  1. Lass“ dem Kind Zeit auf deine Rückfrage zu antworten. Die Kids haben oft noch nicht weiter gedacht, aber du möchtest ja herausfinden, was sich hinter dieser Aussage verbirgt. Und wenn keine Antwort kommt, halte die Spannung ruhig ein wenig aus – dann öffne die Frage für die anderen. Diese W-Fragen sind das Nonplusultra in funktionierenden Gesprächen.
  2. Versuch‘ die frommen Floskeln aufzubrechen. Sätze wie „Gott vergibt mir alle Schuld“ oder „Jesus liebt alle Sünder doll“ – sind nachgeplappert. Doch Gott möchte, dass wir denken und verstehen und ihn kennenlernen und lieben lernen. Wer sind denn Sünder? Was heißt das denn? Hast du auch Schuld? Was hast du denn schon mal falsch gemacht? usw.
  3. Hab‘ den Mut über etwas anderes zu reden, als über den Zielgedanken deines Themas.

Ein Beispiel:

Ein Kind hat sich folgenden Hosentaschensatz überlegt: „Ich finde alle Hunde doof.“. Bei einem Thema wie Zachäus, bisschen seltsam. Doch genau so ein Satz kann auch kommen und ist es nicht spannendHalt herauszufinden, warum das Kind diesen Satz hat? Hier ist wichtig, dass das Kind sich sicher fühlt, Halt in dir hat. Es kann passieren, dass die anderen Sonntagschulkinder lachen, weil der Satz natürlich nicht zum Thema passt. Aber, das ist ja auch nicht dein Hauptziel, des Satzes, das er zum Thema passt. Also frag‘ nach: „Wieso findest du das?“ Und du kannst erstaunt sein, was da alles kommt. Vielleicht wurde das Kind von einem Hund erschreckt. Vielleicht wünscht es sich einen Hund, die Eltern haben es verboten und nun versucht es so den Wunsch auszulöschen. Vielleicht ist das eigene Tier krank und das Kind versucht so den Schmerz kleiner zu machen usw..

Merkst du, was passiert? Es entsteht Beziehung. Du bist dem Kind zugewandt.

Jesus war uns Menschen auch zugewandt, er fragte immer: „Was möchtest du?“ – Eine offene Frage ;).

Oft bleib‘ ich mit den Kids bei einem Satz hängen. Erstaunlich ist jedes Mal, wie aufmerksam die Kinder dabei sind. Aber irgendwie ja auch logisch, denn schließlich geht es ja um sie und ihre Welt und die ist spannend und interessant.

Das Sahnehäubchen ist, wenn du die darauffolgende Woche fragst, wie es dem Hund geht. So zeigst du, dass das Kind dir wichtig ist.

Ich freu' mich, wenn du das mit dem Hosentaschensatz mal ausprobierst...

…und wenn du unten in den Kommentaren berichtest, wie es dir ergangen ist.

Die 3 ultimativen Fragen für dein anderes Level im Kindergottesdienst - Beweg' die Maus....

hier unten auf die Bilder

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    1. Frage

    Gehst du das Risiko ein und stellst du im Gespräch offene Fragen, sogenannte „W“-Fragen?

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    2. Frage

    Gibst du den Kindern Zeit, sich Antworten zu überlegen?

  • Hosentaschensatz

    3. Frage

    Fühlen sich die Kids durch dein Sein gehalten?

Und Tschüss, bis es wieder heißt „Mit Katrin Schneller den Durchblick“.

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Comments

  1. Hi,
    also, eine super Idee. Hab es heute mal ausprobiert im Kigo. Die meisten Kinder haben mitgemacht und gute Ideen gehabt und wollten auch unbedingt ihren Satz loswerden. Ich finde es eine super Möglichkeit, um mit den Kids ins Gespräch zu kommen. Werde ich sicher häufiger machen.

    1. Author

      Hey das freut mich, dass du das ausprobiert hast und es auch funktioniert hat!“ Danke für’s Rückmelden! Gespräche mit Kids sind toll!
      Katrin

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