Kontrollverlust im Kindergottesdienst – die beste Wertschätzung

In Alltag im Kindergottesdienst, ich als Mitarbeiter by KSchneller1 Comment

Ein Phänomen, wenn ich in Deutschland zu einer Kinderwoche unterwegs bin, ist, dass die Kids gern mit mir im Auto mitfahren wollen. Erst dachte ich, das liegt daran, weil mein Auto so toll ist, aber nun habe ich seit 9 Monaten ein neues Auto und das Phänomen ist nach wie vor da. Also liegt der Grund wohl eindeutig woanders.

Die letzte Kinderwoche öffnete mir die Augen für den wahren Grund. Ich war bei einer reizenAuto - Kontrollverlustden Familie untergebracht – 2 Kids – und nach 3 Tagen ging es los. Kaum wollte ihre Mutter in ihrem und ich in meinem Auto losfahren: „Kann ich bei Katrin mitfahren?“. Haja und wie es so ist, wenn der ältere Bruder das gern möchte, möchte die jüngere Schwester natürlich auch. Da mein Auto aber immer vollgepackt ist, kann ich höchstens eine Person mitnehmen. Also wurde ein Plan ausgeheckt, so dass es in den letzten 2 Tagen noch möglich war, dass jeder der Kids mich einmal die Strecke von der Kirche zum Quartier begleiten konnte. Schwupps war der Kindersitz drin und freudestrahlend saß der 9-Jährige neben mir. Unsere Fahrt würde ca. 10 Minuten dauern. Ganz unbewusst und unreflektiert stellte ich die Frage:

``Und, wozu hast du Lust?``

 
Kindergottesdienst-Coach

Ich meine, so viele Möglichkeiten gibt es da nicht im Auto. Aber im Nachhinein glaube ich, war das schon die erste richtige Frage. Oft denken wir,

  • wir müssen die Kids bespaßen,
  • wir müssen abliefern,
  • wir müssen den Level im Kindergottesdienst hochhalten, damit die Kids nicht wegrennen,
  • wir müssen alles aus dem Ärmel schütteln,
  • wir müssen das Notprogramm haben und das in zwanzigfacher Ausführung.

Warum denken wir das? Trauen wir den Kindern so wenig zu? Wenn wir noch Zeit haben im Kindergottesdienst, warum fragen wir so selten: „Wozu habt ihr Lust?“

Ich glaube, wir haben Angst.

3 Ängste möchte ich hier mal herausgreifen.

1. Angst, dass etwas Unvorhergesehenes kommt, was wir nicht steuern können, nicht kontrollieren können.

 
Kindergottesdienst-Coach

Ganz ehrlich, was soll denn passieren? Wir haben unseren geschützten Raum und wir können nein sagen, wenn die Kids wirklich so eine furchtbare Idee haben. Vielleicht käme es aber auf einen Versuch an, oder?

2. Angst, dass wir das, was die Kids vorschlagen, nicht können.

 
Kindergottesdienst-Coach

Ja und? Wir sind nicht perfekt. Du bist nicht perfekt. Und vielleicht macht ja dein Unperfektionismus dich vor den Kids sympathisch? Die Kids können dir etwas erklären. Sie können dir zeigen, wie etwas funktioniert. Sie bringen dir etwas bei. Kannst du dir ein wenig vorstellen, wie toll das für ein Kind ist, wenn es gefühlt selbst mal der Leiter oder Mitarbeiter ist? Du bist deswegen kein schlechter Kindergottesdienstmitarbeiter. Ich finde sogar, im Gegenteil. Du stellst dich mit den Kindern auf die selbe Stufe und das ist super.

3. Angst, dass deswegen deine Rolle als Kindergottesdienst-Mitarbeiter nicht gewahrt wird.

Kindergottesdienst-Coach

Was heißt das denn? Bist du nur richtig, wenn du der Bestimmer bist? „Alles hört auf dein Kommando?“ Nöp. Du nimmst sie in Augenhöhe als gleichwertige Menschen wahr, aber du wirst nicht deine Rolle verlieren. Und Menschen – egal ob Kinder, Teens, Jugendliche oder Erwachsene – auf gleicher Augenhöhe zu begegnen, ist das A und O einer gut funktionierenden Beziehung. Die Kids wissen ganz genau, dass du ihr Leiter bist. Aber du kommst ihnen auf sympathische Art und Weise nahe, wenn du sie fragst, wozu sie Lust haben.

Zu fragen: „Wozu hast du Lust?“ – das ist Wertschätzung. Und das ist doch das, was wir wollen, oder? Wir wollen die Kids wertschätzen. Auch Jesus hat die Menschen, die zu ihm kamen, gefragt: „Was möchtest du von mir?“ Er hat auch nicht einfach drauflosgeheilt. Das kannst du in Lukas 18 – die Geschichte von Bartimäus – nachlesen.
Ich frag‘ mich, warum wir ihnen dann so oft etwas aufdrücken? Nicht falsch verstehen – einen guten Kindergottesdienst setzt gute Planung und Vorbereitung voraus. Aber wenn mal Zeit ist, vielleicht traust du dich zu fragen: „Wozu habt ihr Lust?“. Und wenn die Kids dich mit großen Augen anschauen, da diese Frage so ungewohnt für sie ist und erst einmal nichts kommt, dann wurde es höchste Zeit für diese Frage.

Ist es nicht traurig, dass Kinder oft nicht einmal wissen, wozu sie Lust haben?

Kindergottesdienst-Coach

Ich wünsche thumpsupmir, dass Kinder wiedthumbsdowner wissen, was sie gerne machen, woran sie Spaß haben. Wir haben in der Sonntagschule das Glück, Kindern die Möglichkeit zu geben, herauszufinden, was sie lieben. Ja, und manchmal ist es immer das gleiche Spiel. So sind Kinder und so lieben wir sie ;).

Doch zurück zu meiner Auto-Story: „Wozu hast du Lust?“. Ich drehte schon mal den Zündschlüssel und prompt ging laute Musik an. Ich war in dem Moment dankbar, dass sie von alleine anging, denn so konnte nicht so ein peinliches Schweigen während der Fahrt aufkommen.
Ja, auch eine Angst: „Was ist, wenn wir uns nichts zu sagen haben?“

Dann kam seine Antwort: „Können wir die Musik ausmachen? Vielleicht können wir uns einfach unterhalten.“
Ich schluckte.

Somit musste ich meine Komfortzone verlassen.

Unterhalten. Es wurden gute 10 Minuten. Er fragte mich viel, ich fragte zurück. Wir unterhielten uns auf der gleichen Ebene. Er wollte keine Bespaßung. Er wollte nicht, dass ich wie in der Kinderwoche, wenn ich vorne stehe, witzig bin. Er wollte mich, den Menschen ein bisschen mehr kennenlernen. Er wollte Beziehung bauen. Und plötzlich geschah etwas Merkwürdiges: Die Wertschätzung die ich ihm rübergebracht hatte, dass er bei mir mitfahren durfte und dass ich ihn gefragt habe, wozu er Lust hat, verwandelte sich in Wertschätzung mir gegenüber.

Er hatte Interesse an mir. Ist das nicht schön?

Kindergottesdienst-Coach

Die Kids in deiner Gemeinde haben Interesse an dir. Weißt du das?
Ja, du bist ihr Kindergottesdienst-Mitarbeiter und ja, du bist erwachsen und sie sind Kinder, doch ich komme immer mehr dahinter, dass jeder von uns seine Rolle hat, aber der Wunsch der Kids ist, dass wir ihnen auf Augenhöhe begegnen. Das hat etwas mit Ernstnehmen zu tun. Ihre Frage, ihre Meinung ist wichtig.

Was ich dir heute sagen möchte ist:Angst

  • Hab‘ keine Angst vor den Kids.
  • Hab‘ keine Angst vor Kontrollverlust.
  • Hab‘ keine Angst, wenn du ihnen Türen öffnest, sei es im Programm, aber auch in dem, wer du bist.
  • Hab‘ keine Angst davor, sie mitbestimmen zu lassen, sondern verlasse deine Komfortzone, welche auch immer das bei dir ist. Und wer weiß, vielleicht entdeckst du eine viel schönere Komfortzone mit den Kindern. Auf einen Versuch käme es doch an, oder?

Die 3 ultimativen Fragen für dein anderes Level im Kindergottesdienst

Beweg deine Maus...

...auf die Männeken 🙂

unten drunter

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    Frage 1

    Auf welcher Augenhöhe begegnest du den Kids?

  • Kindergottesdienst-Coach

    Frage 2

    Hast du die Kids schon mal gefragt, worauf sie Lust haben? Worauf?

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    Frage 3

    Was ist deine größte Angst, wenn du die Kids mitentscheiden lassen würdest?

Und Tschüss, bis es wieder heißt:

„Mit Katrin Schneller den Durchblick.“

Comments

  1. Ich habe nie Kindergodi gemacht, habe nicht soviel mit Kindern am Hut. Aber ich leite schon lange eine Aerobicgruppe und viele sind auch schon lange dabei, kommen aber auch neu dazu. Was gefällt denen? Ich bin nicht perfekt, kann auch mal zugeben, dass ich etwas nicht kann, bzw. dass es mir schwerfällt. Wenn ich dann jemanden entdecke, der es besser kann, sage ich: „Guckt mal dorthin, so macht man es richtig“. Auch Erwachsene sind dann stolz.
    Das war meine Erfahrung.

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