Langeweile im Kindergottesdienst

Langeweile im Kindergottesdienst

In Alltag im Kindergottesdienst, dein Kindergottesdienst-Team, ich als Mitarbeiter, Kindergottesdienst-Plenum by KSchneller2 Comments

Als ich 2007 beim Bibellesebund als Kinderreferentin angefangen hatte – ich war dort 5 Jahre angestellt – durfte ich zum Kennenlernen bei verschiedenen Veranstaltungen mit dabei sein und lernen. Bei einer Schulung meines Kollegen Harry Voß, dem Schlunz-Autor, blieb mir eine Aussage besonders im Hirn hängen.

Wenn Kinder sagen, das kenne ich schon, dann ist das keine Kritik. Kinder lieben, was sie kennen.

Das war mir damals vor 8 Jahren total neu, aber doch so logisch. Kinder hören 20, 40, 100 Mal das gleiche Hörspiel. Kindergarten-Kinder können dir Bücher vorlesen – sogar wenn das Buch verkehrt herum liegt. Warum? Weil sie das Buch jeden Nachmittag vorgelesen bekommen wollen und es auswendig können. Und wehe, du lässt nur ein Wort weg oder änderst es – „das steht so nicht…“.

Hörst du auf dem richtigen Ohr?

 
Kindergottesdienst-Coach

Die erste Frage, die ich dir deswegen stelle, bevor du sagst, dass die Kids sich in deinem Kindergottesdienst langweilen, ist, ob du ihre Aussage -„Kenn ich schon.“ – richtig interpretierst?

Es gibt verschiedene Art und Weisen, wie wir bestimmte Sachen hören. Friedemann Schulz von Thun hat das mit den Ohren und wie man so hört erfunden. Es gibt die Sach-, Beziehungs, Selbstoffenbarungs und Appell-Ebene.

Der Satz -„Kenn‘ ich schon.“- kann ganz unterschiedliche Dinge ausdrücken.

Es kann Verschiedenes bedeuten, zum Beispiel:

1. Hey ich bin voll der Checker, ich bin richtig gut und hab' schon viel Ahnung.

 
Kindergottesdienst-Coach

Sie offenbaren sich dir. Sie sagen dir, dass sie richtig cool sind und es drauf haben. Es geht nicht immer um dich, auch wenn wir oft so ticken, dass wir ganz viel auf uns beziehen. Manchmalich bin der Checker sagt ein Satz, etwas ganz anderes aus und zwar etwas über den, der es sagt. Kids sind gerne stolz auf sich und sagen dir das auch. Schau‘ das nächste Mal, wenn ein Kind „kenn ich schon“ sagt, in seine Augen oder höre auf den Tonfall. Wenn das Kind vor Stolz fast platzt, dann sagt es garantiert etwas über sich aus. Manchmal, wenn sie schüchterner sind, kommt es nicht wie ’ne Granate heraus, das bedeutet aber nicht, dass es nicht ähnlich selbstoffenbarend gemeint ist.

2. Lob' mich, ich habe die letzten Jahre aufgepasst und kenne das schon. Oder ich bin ein guter Bibelleser und kenne es schon, findest du mich toll?

 
Kindergottesdienst-Coach

Kinder brauchen Wertschätzung. Lobst du die Kids, für das was sie sagen, was sie können? Manche brauchen davon ganz, ganz viel und versuchen auf jede Art und Weise Lob und Wertschätzung zu bekommen. Auch wenn das ziemlich versteckt ist, aber dieser Satz „Ich kenne das schon.“ kann genau das ausdrücken. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich einem Kind kurz antworte mit: „Super.“, kommt ein schüchternes Lächeln, und schon kann ich weitererzählen.

3. Kannst du mich mit einbeziehen? Ich kenne das schon, und würde gern' wichtig sein und vielleicht gern' mitmachen, weiter erzählen, Vorne stehen.

Kindergottesdienst-Coach

Ich habe Folgendes in einer Kinderwoche, zu der ich eingeladen war, gemacht. Ein Junge blökte ständig rein: „Kenn‘ ich schon, kenn‘ ich schon.“. Irgendwann sagte ich (es war wohl eher genervt von mir und nicht wirklich ernst gemeint): „Möchtest du weiter erzählen?“. Augenleuchten. Er sprang auf. Tja und schon war ich meinen Job los. Einen Rückzieher gab es nicht, denn wenn man was sagt, muss man es ja auch durchziehen, also nahm ich auf seinem Stuhl Platz. Irgendwann sagte ich dann: „Super, darf ich weiter erzählen?“, und er ließ mich. Unbewusst hatte ich wohl genau das gefragt, was er wollte.

4. Ich brauche neuen Input. Ich lerne gern' mehr und weiter. Erzähl' mir etwas Neues (dazu).

Kindergottesdienst-Coach

„Achtung, Achtung – wenn du jetzt nichts Neues bringst, was ich noch nicht weiß, dann, ja dann wird es für mich langweilig.“

Ja, und hier – an dem Punkt – ist es jetzt so weit. Es liegt nicht an dem Kind, ob etwas langweilig ist, sondern nun liegt es an dir.

Wann haben wir denn den Eindruck, etwas ist langweilig?
Ich glaube, da sind wir unterschiedlich und deswegen gibt es auch mehrere Antworten auf diese Frage.

1. Wenn wir etwas schon kennen.

Wir erzählen die Geschichten aus der Bibel natürlich öfter und manche Kids haben David und Goliath oder den barmherzigen Samariter bis zum ihrem 10. Lebensjahr schon 20 oder 30 mal gehört. Lass sie noch eine Kinderbibel mit Bildern haben und schon sind wir bei 100. Aber das ist mit „kenne ich schon“ in Bezug auf Langeweile nicht gemeint. Kinder brauchen neue Impulse. Verpacke die Geschichten neu. Es gibt unzählig viele Methoden, wie Geschichten erzählt werden können.

2. Wenn es uns nicht betrifft.

Die meisten Geschichten sind den Kids, wenn sie von klein auf in die Kinderkirche gehen, bekannt. In ihrem Herzen wird sie bewegt, wenn sie ihnen etwas zu sagen hat. Was ist also der Zielgedanke, den du vermittelst? Schaffst du es, dass die Kids begreifen, dass die Geschichte etwas mit ihnen, mit ihrem Leben zu tun hat? Weißt du überhaupt, worum es in ihrem Leben geht?

3. Wenn die Worte nicht unsere Worte sind.

Und das kann bei Kindern in beide Richtungen gehen. Wenn du mit 10-Jährigen redest, als ob sie 3 Jahre alt sind, fühlen sie sich nicht ernst genommen. Wenn du aber eine Bibelarbeit zauberst, die für Theologiestudenten gut wäre, werden sie auch kein Wort verstehen. Deswegen die Frage, benutzt du ihre Sprache? Benutzt du die Worte, die die Kinder verstehen und benutzen?

Das A und O, um dahinter zu kommen, wie du den Kindergottesdienst gestaltest, ist Feedback.

Kindergottesdienst-Coach

Vielleicht hast du die Möglichkeit, dass ein anderer mit den Ohren der Kids im Kindergottesdienst sitzt und danach dir erzählt, was er gehört und gesehen hat, wie du geredet hast. Hab‘ den Mut dich dem zu stellen.  kritikerSetze dort den größten Kritiker dorthin und höre dir an, was er zu sagen hat und dann prüfe alles, was gesagt wird und das Gute behalte. (1. Thessalonicher 5,21)

Um beim Thema Feedback weiter zu kommen, habe ich dir verschiedene Arten von Feedback-Bögen für die Arbeit mit Kindern zusammengestellt. Du kannst das pdf kostenlos herunterladen (30MB) und für eure Gemeindearbeit nutzen.

 

 ←  Hier gibt es den Feedback-Bogen für deinen Kindergottesdienst.

Wenn sich ein Registrierungsfeld öffnet – einfach schließen. Es dauert vielleicht eine Weile, bis sich dann die Datei öffnet – dort kannst du ihn dir angucken und wenn du möchtest oben rechts bei dem blauen Button „Herunterladen“ für dich downloaden. Wenn du keine Dropbox hast, wähle „Direkter Download“.

Kindergottesdienst-Coach

Was genau das Kind nun sagen möchte mit diesem Satz „Kenn‘ ich schon.“, kann ich dir nicht verraten. Ich glaub‘ dafür musst du deine Kinder gut kennen und so wirst du sie besser einschätzen können, was sie dir mit diesem Satz sagen wollen. Guck‘ darauf, was jedes Kind individuell braucht.

Langeweile im Kindergottesdienst muss nicht sein. Heute hast du nur einen ersten kleinen Impuls zu dem Thema bekommen. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass wir auf ein anderes Level ohne Langeweile im Kindergottesdienst kommen können. Die Frage ist, was dir oder auch deiner Gemeinde das wert ist. Auch wenn du super begabt bist von Gott, heißt es, diese Fähigkeiten zu optimieren.

Wenn ihr genau dort nicht weiter kommt, dann könnt ihr mich gerne zum Beispiel zu einer Schulung „Methoden für biblische Geschichten“ oder Themen, die dir wichtig werden, einladen. Ich würde mich sehr freuen. Mail‘ mich an :).

Die 3 ultimativen Fragen für dein anderes Level im Kindergottesdienst

Beweg deine Maus...

...auf die Männeken :)

unten drunter

  • Frage 1

    Was für ein „Ohrtyp“ bist du? Wie hörst du meistens?

  • Frage 2

    Hast du die Kids schon mal gefragt, was sie langweilig finden?

  • Frage 3

    Wer kann dir „richtiges“ Feedback geben? Sprich denjenigen an.

Und Tschüss, bis es wieder heißt:

„Mit Katrin Schneller den Durchblick.“

Comments

  1. Martin Brusius

    Hat ich mir ja schon gedacht, dass das gut wird. Aber so gut ….
    Cogratulations! Weiter so!
    Martin

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