Langeweile im Kindergottesdienst - vorbeirauschen

Vom Wellensurfen im Kindergottesdienst oder Langeweile im Kindergottesdienst Part II

In Alltag im Kindergottesdienst, ich als Mitarbeiter, Kindergottesdienst-Plenum by KSchnellerLeave a Comment

Neulich saß ich im Gottesdienst und versuchte der Predigt zu lauschen. Kindergottesdienst langweiligDoch sie rauschte an mir vorbei. Ich bemühte mich. Tja und du weißt sicher: Wenn der Lehrer sagt: „Er bemühte sich“, dann ist leider nicht so viel daraus geworden. Es ist, als ob man eine Qualle im Meer fangen möchte. Aber sie flutscht immer wieder aus den Händen. Irgendwann hörte ich auf, mich zu bemühen und etwas Weiterbringendes für mich mitzunehmen und fing an zu analysieren, wieso diese Predigt mich nicht ergriff und an mir vorbeirauschte.

Und bämm – diese Punkte, die ich herausfand, kannst du 1a für den Kindergottesdienst anwenden.

Kennst du das?

Du hast das Gefühl, das, was du sagst, rauscht an den Kindern vorbei? Du erreichst sie nicht?

Hier die 2 Hauptgründe für das Vorbeirauschen und was die Kids wirklich hören wollen.

 

1. Grund: Du hast keine fesselnde Rhetorik

Der Begriff Rhetorik leitet sich aus dem altgriechischen „rhētorikḗ“ ab und bedeutet übersetzt so viel wie „Redekunst“ oder „Kunst der Beredsamkeit“. Erst mit Beherrschung guter Rhetorik ist es möglich, Menschen wirklich von seiner Aussage zu überzeugen und Reden zu halten, denen die Zuhörer gerne zuhören und die Inhalte letztendlich im Gedächtnis behalten.

                                      http://www.rhetorik-homepage.de/

Und das ist ja das, was wir wollen.

  1. Wir wollen, dass die Kids zuhören.
  2. Wir wollen, dass sie das, was uns wichtig ist, begreifen.
  3. Wir wollen, dass es in ihr Herz dringt.

Merkst du es? Wow, was für eine Verantwortung, die wir da haben bei dem, was wir sagen.

Nur um das klarzustellen: Bei dem Prediger war das nicht der Fall. Er hatte eine super Rhetorik, und das hat mich total fasziniert, dass es nicht an seiner Rhetorik lag.

Was tat er richtig? Was ist gute Rhetorik?

1. Schau die Kids an!

 
Kindergottesdienst-Coach

Der Pastor hat das gut drauf gehabt. Er hat nicht an seinem Skript geklebt. Er hat nichts abgelesen. Nur ab und zu ein Blick nach unten und dann war er schon wieder bei uns. Er hat auch gut alle Ecken mit seinem Blick „abgegrast“. Du kennst ja deine Pappenheimer. Aber wenn du wegen der Disziplin immer nur sie anguckst, dann fallen die anderen hinten runter.

2. Drücke mit dem Gesicht das aus, was du sagst!

 
Kindergottesdienst-Coach

Wow, bei dem Pastor wusste ich genau:

  • Jetzt spricht er über das, was ihn bewegt und freut.
  • Darüber ist er traurig.
  • Darüber denkt er noch selbst weiter nach.
  • jetzt ist es ihm aber sehr ernst.

Sagt deine Mimik das, was du auch sagst? Es gibt Menschen, die haben so ein Permanent-Lächeln. Wohl schon eher ein Grinsen. Geh mal vor den Spiegel und beäuge dich selbst kritisch, ob du folgende Emotionen nur mit deinem Gesicht, deiner Mimik rüberbringen kannst:

  • ängstlich
  • schwärmerisch
  • wütend
  • begeistert
  • traurig
  • gelangweilt
  • kritisch

Bei welcher dieser Emotionen sieht die Mimik etwa gleich aus? Bekommst du es noch besser hin?

3. Unterstreiche das, was du sagst, mit deiner Körpersprache!

Kindergottesdienst-Coach

Wie ist das so, wenn du gerade der „Haupterzähler“ bist? Sitzt du stocksteif auf deinem kleinen Kinderstühlchen? Oder hängst du in deinem Stuhl? Stehst du vorne?
Wenn ich im Sitzen erzähle, sitze ich immer vorne auf der Stuhlkante und in meinem Körper ist Spannung. Körperspannung ist absolut notwendig, um mit deinem Körper das Gesagte zu unterstreichen.

Nur um dich ein wenig zu inspirieren: Folgendes könnte deine Aussagen unterstreichen:

  • nachdenklich: Lege deine Hand ans Kinn. Du kannst es dazu noch reiben, am Kopf kratzen…
  • abwägend: Schüttel deine Hand hin und her. Dabei vergiss nicht dein Gesicht mit zu verziehen, zwei Hände wie eine Waagschale hin und her bewegen etc.
  • freudig, jubelnd: Balle beide Fäuste und schüttel sie, so wie bei einem Sieg.
  • erstaunt: Nimm die flache Hand vor dem Mund.
  • wütend: Stampfe auf, verschränke die Arme.

4. Erwecke deine Stimme zum Leben!

Kindergottesdienst-Coach

Kennst du das, wenn jemand so monoton auf einem Ton (denn nichts anderes sagt MONO-TON) daherredet. Da bin ich sofort weg mit meinen Gedanken.
Geht bei Fragen deine Stimme nach oben? Betonst du Wörter und hast dabei auch eine andere Stimmlage? Hast du eine Sprach-Melodie, wenn du erzählst? Schnapp dir dein Handy und nimm doch mal was auf, wenn du sprichst und hör es dir an. Ja, jetzt.

Und…

Wie redest du?

Ich vermute, du hast es nicht getan? Dann mach es später. Oder vielleicht doch jetzt, damit es nicht verloren geht?

Auch hier ist Körperspannung die Grundlage, um ein anderes Level zu erreichen. Nur mit Körperspannung kannst du plötzlich lauter reden, stimmgewaltig flüstern oder auch mal schreien, ohne dass es deine Stimmbänder kaputt macht.

5. Benutze die Sprache der Kinder!

Kindergottesdienst-Coach

Rede deutsch – und damit meine ich das Deutsch des 21. Jahrhundert. Ganz ehrlich: Ich liebe alte deutsche Wörter. Und sie punktuell mit einzufügen, ist zauberhaft. Aber wenn du nur eine kanaanäische Luthersprache sprichst, können die Kids dir das zwar nachplappern, aber es wird nie eine Meinung von ihnen widerspiegeln. Was möchtest du aus ihnen machen: Papageien oder selbstständig denkende und liebende Persönlichkeiten? Deine Wahl!

2. Grund: Deine Wellenlänge ist nicht ihre Wellenlänge

Da saß ich also in dem Gottesdienst. Unsere Wellen trafen nicht aufeinander, sondern sie rauschten sozusagen aneinander vorbei. Damit meine ich nicht, dass ich den Pastor nicht mag. Aber die Art, wie er seinen Zielgedanken füllte, kippte er nicht in mich hinein, sondern vorbei.

Wie kann das passieren?

1. Du sagst nicht klar, worum es geht.

Kindergottesdienst-Coach

Kennst du das?: Da redet einer und du fragst dich: „Warum erzählt er das? Was genau ist der Punkt? Worauf will er hinaus?“ Irgendwann fängt es an, in dir zu kribbeln. Du wirst ungeduldig. Und dann explodierst du innerlich oder sogar nach außen.

Die andere Variante – denn explodieren ist nicht immer eine Lösung: Du schweifst ab.

Also überlege dir deine Struktur. Dabei sollten folgende Fragen beantwortet sein:

Wie erfahren die Kinder, worum es geht?
Gibt es in dem, was ich sage, eine Struktur, die die Kids begreifen?

2. Das was du sagen willst, betrifft die Kids nicht.

Kindergottesdienst-Coach

Du hast eine Struktur? Super!
Deine Rhetorik unterstreicht alles, was du sagen möchtest? Knallermäßig!
Doch Mist: Es hat nichts mit den Kids zu tun?

Sorry, aber dann kannst du das mal alles in die Ecke kloppen! Kann ja sein, dass du das, was du sagst, total wichtig findest. Aber das heißt noch lange nicht, dass die Kids das auch so empfinden. Also rauschst du mal eben schnell auf deiner Welle vorbei. Schade um deine ganze Arbeit.

Fazit:

Grundlage für alles, was du den Kids erzählen möchtest, ist:

Es muss die Welt deiner Kinder betreffen. Und wenn sie das nicht so schnell begreifen, was das mit ihnen zu tun hat, dann ist es dein Job, es ihnen zu erklären und sie auf deine Welle mitzunehmen. Surft gemeinsam!

Es ist deine Verantwortung, auf der gleichen Wellenlänge zu sein. Übernimm diese Verantwortung.

Deine Welle kann ihre Welle werden. Doch vielleicht ist es ja auch dran, die Wellen der Kids kennen zu lernen und auf ihren Wellen gemeinsam zu surfen?

Ich wünsche dir viel Spaß dabei.

Empfehlungen von Katrin Schneller – deinem Kindergottesdienst-Coach

Feedbackbogen:
Lass dich von jemand anderem mal beobachten: Wie ist deine Gestik, deine Mimik? Wie deine Ausstrahlung, deine Sprache? Einen sehr detaillierten Feedbackbogen habe ich dafür erstellt. Du kannst ihn kostenlos hier downloaden.

Spielempfehlung zum Emotions-Üben:
Quibble (Achtung: Es gibt noch 2 andere Spiele, die so heißen.) http://www.superfred.de/quibble.html (Es ist leider derzeit vergriffen, aber manchmal findet man ja so kleine Schätze doch irgendwo. Gerade wenn ihr mehrere Kindergottesdienst-Mitarbeiter seid, die da spielerisch weiterkommen wollen, ist das Spiel super geeignet. Wir als Familie holen es aber auch immer wieder gerne raus, weil wir uns dabei köstlich amüsieren.)

Homepages zur Rhetorik:
Wenn du dich mehr mit Rhetorik auseinandersetzen möchtest, kann ich dir diese Rhetorik-Homepage echt empfehlen: . Die Seite wirkt ein bisschen steif (Und das bei einer Rhetorik –Seite!), aber hinter ihren lateinischen Oberbegriffen verbirgt sich das, worum es geht und worauf du achten musst – egal ob als Kind oder Erwachsener.

Wenn du ein paar Tipps und Tricks generell für Rhetorik möchtest, dann schau‘ mal hier rein. Diese Sachen haben mir auch einige Inspiration gegeben: http://www.rhetorik-seminar-online.com/rhetorik-tipps/

________________________________________

Lies doch auch folgenden Artikel zu „Langeweile im Kindergottesdienst“:  Dort geht es darum, ob du überhaupt richtig verstehst, was die Kids meinen.

Und tschüss, bis es wieder heißt:

„Mit Katrin Schneller den Durchblick :)“

Leave a Comment